Love Parade Massenpanik überrumpelte Polizei völlig

Die Love-Parade-Katastrophe traf die Sicherheitskräfte unvorbereitet. Der Einsatzleiter der Polizei hat nach Informationen des SPIEGEL zugegeben, sein Team sei völlig überrascht gewesen. Zudem seien beim Schichtwechsel fatale Fehler passiert. Auch gegen die private Security gibt es schwere Vorwürfe.
Polizeifahrzeuge bei der Love Parade (am 24. Juli 2010): Von der Panik überrascht

Polizeifahrzeuge bei der Love Parade (am 24. Juli 2010): Von der Panik überrascht

Foto: Getty Images

Hamburg - Erstmals hat ein hochrangiger Beamter gravierende Probleme der Polizeiführung bei der Duisburger Love Parade eingeräumt. In einer fünf Tage dauernden Zeugenvernehmung sagte Jörg Schalk, seinerzeit Leiter des polizeilichen Einsatzstabs, nach Informationen des SPIEGEL aus, dass man von der Massenpanik mit 21 Toten am 24. Juli 2010 völlig überrascht worden sei.

Niemand im Stab, so Schalk, habe je damit gerechnet, dass dies eintreten könnte, alle seien erschlagen gewesen. Zudem hätte die Einsatzleitung nicht alle Informationen zeitgerecht verfügbar gehabt. Er selbst habe sich zum Zeitpunkt, als das Gedränge auf der Zugangsrampe zum Partygelände immer bedrohlicher wurde, kein konkretes Bild über das Ausmaß machen können.

Von den im Zugangsbereich postierten Polizeiketten, die möglicherweise zur Katastrophe beigetragen haben, habe er als Stabsleiter erst im Nachhinein erfahren. Fehler sind nach den Worten des leitenden Beamten auch bei einem umstrittenen Schichtwechsel gemacht worden, als Polizeiwagen in Kolonne durch die Menschenmenge auf der Rampe und im Tunnel fuhren.

Fahrzeugwechsel, so Schalk in seiner Vernehmung, die von Ende März bis zum 8. April stattfand, hätten dort nicht erfolgen dürfen, dies sei sogar ausdrücklich abgestimmt gewesen.

Security zur Promi-Betreuung abgestellt

Der Crowd-Manager des Veranstalters, Carsten Walter, sagte in seiner Vernehmung als Beschuldigter aus, er habe einige Ordner, die auf der Zugangsrampe eingesetzt werden sollten, zeitweise für die Betreuung von Kamerateams und Prominenten abgezogen.

So sollten sechs zusätzliche Sicherheitskräfte laut Walter den Comedian Oliver Pocher und seine Partnerin Sandy Meyer-Wölden auf dem Gelände der Love Parade begleiten, damit sie als Moderatoren einer Internetübertragung nicht von "aufdringlichen" Besuchern belästigt würden.

Doch ein Teil dieses Extrapersonals habe sich als ungeeignet für den Personenschutz erwiesen. Deshalb seien mindestens zwei Mitarbeiter zur Begleitung Pochers abgestellt worden, deren ursprüngliche Aufgabe es war, die Gäste auf der Rampe zu bitten, nicht stehen zu bleiben.

Stauungen von Besuchern am Kopf der Zugangsrampe gelten als eine der Ursachen für die Katastrophe, bei der vor einem Jahr 21 Menschen starben und Hunderte verletzt wurden.

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